Stadtnachricht

Neue Vorgaben für die Kindergärten


Große umwälzende Veränderungen in der pädagogischen Arbeit aller Kindergärten des Landes stehen bis zum Jahr 2012 bevor. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Mädchen und Jungen ganz anders lernen als ursprünglich angenommen. Aus diesen Ergebnissen wurde der sogenannte „Orientierungsplan für die Bildung und Erziehung in baden-württembergischen Kindergärten und weiteren Kindertageseinrichtungen entwickelt. Landesweit soll dieser Orientierungsplan verbindlich werden sobald die Finanzierungsfrage geklärt ist. Der baden-württembergische Kultusminister Rau hat die von seinem Ministerium gestartete Offensive wie folgt kommentiert: “Alle Kinder, unabhängig von ihrer Herkunft, stecken voller Ideen und sind neugierig auf alles, was um sie herum passiert. Sie brauchen – entsprechend ihrer Persönlichkeit und ihrer Begabung – gezielte Förderung und Unterstützung. Wer es mit der Chancengleichheit Ernst meint, muss dafür sorgen, dass alle Kinder gute Startvoraussetzungen für ein selbstbestimmendes Leben erhalten,“ so der Kultusminister. Die Grundidee des Orientierungsplanes ist, dass die Erzieherinnen und Erzieher keine für alle Beteiligten vorgefertigten Programme abspulen, sondern jedes Kind in seiner ganz individuellen Entwicklung begleiten sollen. Traditionelle Gruppenstrukturen sollen wenn möglich aufgelöst und stattdessen sollen sogenannte „Bildungsinseln“ geschaffen werden. Sämtliche Kindangebote könnten in einem Raum zu finden sein. Jedes einzelne Zimmer soll eine gesonderte Thematik, beispielsweise Kunst, Bauen, Konstruieren, Forschen, Spielen, Buchstaben und Zahlen, Bewegung oder Ruhe erhalten. Räume sollen funktional strukturiert werden, so dass sich die Mädchen und Jungen rasch an ihrer Umgebung orientieren und zurecht finden können. Um sich zurecht zu finden, sollen auch gezielt Gegenstände aus der Erwachsenenwelt, wie etwa Wasserwaagen, Schreibmaschinen oder Gemälde zum Einsatz kommen. Fast alles soll entdeckt, erforscht und erfahren werden. Der Orientierungsplan fordert jede Menge Kreativität, Ideenreichtum von den Erzieherinnen und Erziehern ab. Selbst wenn festgestellt wird, dass Jungs sich sehr für Autos und weniger für Malen interessieren, soll auch keine Scheu bestehen, ein Autohaus zu besuchen und Zeichenutensilien mit zu nehmen. Hier würden auch Jungs zum Malen motiviert.

Grundgedanke der neuen Kindergartenpädagogik ist der Ansatz, dass Kinder in erster Linie durch ihr eigenes Tun ihre Selbsterfahrungen lernen sollen. Die Erziehung zu selbstständigen und selbstbewussten Kindern darf jedoch nicht zur Folge haben, dass Mädchen und Jungen alleingelassen werden. Den Erzieherinnen und Erziehern muss es gelingen, den Spagat zwischen Freispiel und Selbstbestimmung und festen Strukturen im Kindergartenalltag herzustellen. Es wird künftig im Kindergarten Entwicklungstagebücher in Form von Ordnern geben, in denen die Entwicklung jedes einzelnen Kindes in Schrift, Fotos und Bildern festgehalten wird. Zum Abschied vom Kindergarten wird die Familie dieses Erinnerungsstück erhalten. Es entsteht mit diesem Orientierungsplan eine neue Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Einrichtungen, bei dem das Wohl des Kindes in dessen Selbsterfahrung und Selbstentwicklung im Vordergrund steht. Wie wir im Einzelnen in unserem Kindergarten den Orientierungsplan umsetzen, werden wir Ihnen gesondert mitteilen.
Redakteur / Urheber
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Redakteur / Urheber
Bürgermeister Schuhmacher